Corporate Purpose – Selbstorganisation mit Sinn

Corporate Purpose – Unternehmenssinn oder -zweck – ist aktuell in aller Munde. Dabei sei gesagt, dass es sich bei der Suche nach dem Purpose keinesfalls um eine Modeerscheinung in der Businesswelt handelt, sondern uns Menschen schon immer beschäftigt und angetrieben hat. Oder tust du Dinge, triffst du große Entscheidungen, von denen du nicht weißt, wofür sie gut sind?

Corporate Purpose – warum gerade jetzt?

In diesem Blogbeitrag gebe ich dir einen Einblick in meine Gedanken und Erfahrungen zum Thema und du darfst gerne sehr kritisch prüfen, was du für dich und deinen individuellen Kontext gebrauchen kannst.

Warum wird das Thema Purpose gerade so gehypt? Sind Buzzwords wie Agilität, VUCA oder Digitalisierung mittlerweile zu abgedroschen oder überholt, sodass es etwas Neues braucht? Meine ganz persönliche Hypothese ist, dass sich dieser auf den ersten Blick erscheinende Trend durch die Entwicklung der letzten beiden Jahre ganz von alleine abgezeichnet hat. Denn nie war durch Isolation und die Beschränkung auf das Wesentliche so viel Zeit mit sich selbst und dem eigenen Leben wie jetzt durch. Nie spielten die Themen Gesundheit und Selbstwirksamkeit gesamtgesellschaftlich eine so große Rolle (ok, zumindest nicht in den Jahren, in denen ich mich schon im Arbeitsleben befinde 😊). Daher verwundet es mich auch nicht, dass bereits im Jahr 2020 die Wechselbereitschaft von Arbeitnehmer:innen bei 51,6% lag (Verweis auf Studie).

Viele fragen sich, ob sie noch das Richtige tun, ob sie ihre Lebenszeit gut investieren und, ob die eigenen Schwerpunkte und Vorstellungen im Privaten und beruflichen Leben richtig gesetzt sind. Diese für alle Altersgruppen geltende Midlife-Crisis hinterfragt nicht nur was getan wird, sondern auch vielmehr wie und für wen etwas getan wird.  

Wollen Unternehmen in dieser unsicheren Zeit ihre Mitarbeiter:innen halten, gilt es, gemeinsame Ziele sichtbar zu machen. Wofür treten Mitarbeiter:innen jeden Tag an? Für wen investieren sie ihre Lebenszeit und vor allem, passt dieser zu ihrem persönlichen Lebenszweck, zu ihren Überzeugungen und Werten? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, können Unternehmen durch ein Bewusstsein zum individuellen Unternehmenszwecke und den entsprechenden Werten Hilfestellung leisten und wieder mehr Identifikation für Mitarbeiter:innen und Geschäftspartner ermöglichen. Und das nicht durch logische Argumentation, sondern durch eine echte, emotionale Bindung.

Ein weiterer Punkt, warum das Thema Purpose für Unternehmen immer mehr Aufmerksamkeit erhält, ist aus meiner Sicht der immer größer werdende wirtschaftliche Druck nach Innovation, Output und Effizienz. Kaum ein Unternehmen in der freien Wirtschaft kann es sich leisten ineffizient zu arbeiten und nicht jede Arbeitskraft in der Organisation voll zu nutzen. Nicht umsonst hat die Digitalisierung auch schon vor der Pandemie in vielen Unternehmen Prozesse und Durchlaufzeiten optimiert und innovative, ja sogar disruptive Geschäftsmodelle hervorgebracht.

Corporate Purpose – die Klammer für echte Selbstorganisation

Damit das möglich ist, benötigt es Übertragung der unternehmerischen Verantwortung auf das gesamte Team. Denn nur durch Verantwortung und Gestaltung von Einzelnen allein, ist meiner Erfahrung nach die Dynamik und Komplexität der Marktentwicklung nicht mehr zu managen. Viele Unternehmen setzten daher in den letzten Jahren in der Organisationsentwicklung auf Selbstorganisation und erhoffen sich damit mehr Geschwindigkeit durch kürzere, direktere Entscheidungswege und mehr Innovationen sowie neue Geschäftsmodelle durch Schwarmintelligenz.

Was bedeutet Selbstorganisation eigentlich? „Selbstorganisation beschreibt die Prozesse und Interaktionen, in denen ein soziales System seine Strukturen und Vorgehensweisen selbst produziert und aufrechterhält. Sie beschreibt, wie ein System aus weniger geordneten Zuständen Strukturen (beobachtbare Ordnung) aufbaut und aufrechterhält.“ (siehe hier.) Und das ohne steuernde oder regulierende Interaktionen von außen. Es ist quasi aus sich selbst heraus überlebensfähig.

Damit sich Teams selbst steuern können, braucht es eine gemeinsame Ausrichtung, an der sich das System orientieren kann. Ein gemeinsam getragenes Vorhaben, welches begründet, dass es Sinn macht dieses individuelle System zu unterstützen. Der Sinn und Zweck setzt damit die Klammer bzw. die Challenge für alles, was in der Organisation passiert und wie sie sich weiterentwickelt. Daran können sich dann Unternehmenswerte, alle Rollen mit ihren Aufgaben, Entscheidungen und Verhaltensweisen orientieren und synchronisieren. Mit Blick auf jeden Einzelnen und auch für die jeweiligen Teams und letztendlich damit auch für die gesamte Organisation.

Modell der logischen Ebenen nach Robert Dilts

Gerade für produkt- und dienstleistungsorientierte Unternehmen, ist es spannend, den individuellen Purpose aufzudecken, da sich dieser oft nicht wie bei gemeinnützigen Organisationen aus ihrer ursächlichen Aufgabe heraus ergibt. Unternehmen in der freien Wirtschaft stehen mit ihrem Angebot meist nicht als Monopol am Markt, sodass es herauszufinden gilt, was dieses eine Unternehmen einzigartig und für die Gesellschaft wichtigmacht. Ganz salopp gesagt: Es kann ja auch schließlich jeder andere auch z.B. Lebensmittel, Möbel, Werkzeug, Software etc. verkaufen.

Personal Purpose – it´s a match?

Doch noch mal einen Schritt zurück. Denn spannend ist ja nicht nur den Sinn und Zweck der Organisation, für die man arbeitet, zu kennen, sondern vor allem sein eigenes, persönliches Wofür. Nicht immer ist dieser persönliche Antrieb schon bewusst und trotzdem handeln wir wie selbstverständlich und logisch danach.

Um sein persönliches Wofür herauszufinden, kann man z.B. mit folgenden Fragen einsteigen: Welche Probleme, Herausforderungen in Unternehmen oder in der Gesellschaft bewegen mich? Was will ich auf Grund meiner eigenen, persönlichen Erfahrungen und Lebensgeschichte verändern? Das muss nicht immer der Weltfrieden sein, obwohl dies gerade sehr erstrebenswert wäre.

Ergänzend dazu lohnt sich Biographiearbeit mit dem eigenen Leben bis hier her. Auf das zurückzuschauen, was man in der Vergangenheit erlebt hat, Ereignisse festzuhalten, an denen man gewachsen ist und sich bewusst zu machen wofür man gerne seine (Lebens-)Zeit investiert hat, können Muster und Hinweise erkennen lassen. Wichtig ist darauf zu vertrauen, dass der innere Kompass bereits vorhanden ist und man intuitiv danach handelt – und sollte es mal nicht so sein, merkt man dies meist sehr schnell.

Doch wofür ist es gut sein persönliches Wofür zu kennen? Ist das nicht auch etwas esoterisch? Ich würde sagen: Ganz im Gegenteil. Wenn ich weiß, dass meine Tätigkeiten auf meinen persönlichen Sinn und Zweck einzahlen, bin ich mit Spaß, Leichtigkeit, Engagement und Großzügigkeit (…) dabei. Ich bin so richtig im Flow.

Bei mir ist es die Gestaltung wirksamer Zusammenarbeit. Denn einen großen Teil unserer Zeit und damit unseres Lebens verbringen wir mit Arbeit. In der Vergangenheit war ich frustriert, wenn ich in Umgebungen gearbeitet oder beobachtet habe, wie Zeit mit „Beschäftigt sein“ und vor allem „Miteinander beschäftigt sein“ verschwendet wurde. Und oftmals noch gepaart mit unnützen Tätigkeiten oder negativem Miteinander. Daher habe ich für mich irgendwann beschlossen dazu beizutragen, dass gemeinsam mit Leichtigkeit nutzenstiftende Ergebnisse geschaffen werden können. Daran richte ich mich mit allen Rollen, die sich in meinem Leben ergeben, aus – ob als Kollegin, Projektleiterin, Führungskraft, Coach oder Trainerin.

Das ist nur mein persönliches Beispiel. Unterm Strich entscheidet jeder individuell für sich selbst, was wirklich sinn- und bedeutungsvoll ist.

Corporate Purpose – los geht´s!

Genau auf diese Weise gestaltet sich auch der Prozess für ein Unternehmen, um den entsprechenden Purpose auszupacken. Ich sage bewusst auspacken. Denn der Purpose einer Organisation ist wie dein persönlicher Sinn und Zwecke schon immer da. Er ergibt sich aus der Vergangenheit mit Blick auf die Herausforderungen der Zukunft und liegt damit in der DNA einer Organisation.  Also ist es nur logisch, diesen sichtbar zu machen und im Weiteren mit Leben zu füllen, damit er spürbar wird.

Du hast wahrscheinlich schon gemerkt, dass die Arbeit am und mit dem Corporate Purpose sich nicht dazu eignet, ihn einfach in ein Team zu delegieren oder sogar anzuweisen. Die Entscheidung, sich dem Purpose anzuschließen und ihn mit Leben zu füllen, obliegt jedem einzelnen Teammitglied selbst. Daher sind Unternehmen meiner Erfahrung nach gut beraten, diesen Prozess transparent, partizipativ und iterativ zu gestalten, damit ein echtes Commitment und dann auch eigenverantwortliches Handeln möglich sind.

Du hast noch Fragen zum Thema oder bist noch unsicher, wie du die Umsetzung in deinem Team, Projekt oder deiner Organisation gestalten kannst? Dann melde dich gerne bei mir und wir schauen gemeinsam, wie ich dich oder euch unterstützen kann.

Melde dich gerne unter: nadine.kuegeler@wirkzam.de

Ich freue mich auf deine Anfrage!

Mehr zu mir findest du hier: https://wirkzam.de/ueber-mich/

Corporate Purpose Buchtipps

Für den Unternehmensprozess:

Purpose Driven Organizations: Sinn – Selbstorganisation – Agilität, Franziska Fink und Michael Moeller

Reinventing Organizations visuell: Ein illustrierter Leitfaden sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit, Frederic Laloux

Für den persönlichen Sinn & Zweck:

The Big Five for Life: Was wirklich zählt im Leben, John Strelecky

Das Café am Rande der Welt: eine Erzählung über den Sinn des Lebens, John Strelecky

Über den Sinn des Lebens, Viktor E. Frankl

Wer ein Warum zu leben hat: Lebenssinn und Resilienz, Viktor E. Frankl